Europäisches Jahr 2010 zur Identifizierung besonders armutsgefährdeter Gruppen

Das Europäische Jahr 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ist ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen der EU und ihrer Mitgliedstaaten, Aufmerksamkeit für die alltäglichen Schwierigkeiten gefährdeter Gruppen in der Gesellschaft zu schaffen.

Häufig sind es ältere Menschen, Großfamilien oder Alleinerziehende, Kinder und junge Menschen, Menschen mit Behinderungen, Migranten und Mitglieder ethnischer Minderheiten (einschließlich der 10 bis 12 Millionen Roma in Europa), die besonders von Armut bedroht sind. Im Allgemeinen ist festzustellen, dass Frauen im Hinblick auf Armut und soziale Ausgrenzung stärker gefährdet sind als Männer.

Im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit der Europäer haben Menschen aus gefährdeten Gruppen weit häufiger mit mangelhaften Wohnverhältnissen, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, geringer Bildung, Überschuldung und einem Ausschluss von Finanzdienstleistungen zu kämpfen. Die Gründe dafür, warum einige Gruppen einem höheren Risiko ausgesetzt sind als andere, sind zahlreich und mannigfaltig. Ein Grund kann etwa darin liegen, dass Großfamilien und Alleinerziehende trotz einer bezahlten Anstellung nahe oder unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Auch kann ein eingeschränkter oder fehlender Zugang zu geeigneten Einrichtungen zur Kinderbetreuung Eltern eine Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familienleben unmöglich machen. Diese Umstände tragen wesentlich zu der Tatsache bei, dass europaweit etwa 19 Millionen Kinder in Armut leben. Darüber hinaus sind rund 19 % der EU-Bürger im Alter von über 65 Jahren von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Grund hierfür ist meist, dass deren Ruhegehälter zur Deckung der Lebenshaltungskosten nicht ausreichen. Ältere Menschen sind ferner häufig von sozialer Isolation betroffen, insbesondere wenn diese allein leben.

Welche Hilfe stellt die EU bereit?

Die EU bietet einen Rahmen, innerhalb dessen die Mitgliedstaaten Maßnahmen und Strategien zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung entwickeln können. Der Schwerpunkt der Strategien lag in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Bereichen, beispielsweise auf der Beseitigung von Kinder- und Familienarmut, auf einem integrativen Zugang zum Arbeits-, Bildungs- und Fortbildungsmarkt sowie auf der Bekämpfung von Diskriminierung und der Verbesserung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen. Im Rahmen der jüngsten Strategie der Kommission für eine soziale Marktwirtschaft (Europa 2020) ist integratives Wachstum zu einer der Prioritäten erklärt worden. Ziel ist hierbei die Förderung des sozialen Zusammenhalts und die Steigerung der Beschäftigungszahlen. Zu den Vorschlägen gehört auch die Entwicklung einer „Europäischen Plattform zur Bekämpfung der Armut“. Darüber hinaus wird von den Mitgliedstaaten im Rahmen der Europäischen Beschäftigungsstrategie ein verbessertes Stellenangebot für alle Europäer gefordert, einschließlich derer, die sich bei der Beschäftigungssuche mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert sehen, etwa Migranten oder Menschen mit Behinderungen.

Die EU hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, Konzepte zur aktiven Eingliederung mit dem Ziel zu erarbeiten, so viele Menschen wie möglich in Arbeit zu bringen und diejenigen, die nicht arbeitsfähig sind, so zu unterstützen, dass diese ein erfülltes Leben führen können. Der verbesserte Zugang zu hochwertigen Sozialdienstleistungen, wie beispielsweise Kinderbetreuung und die Bereitstellung angemessenen Wohnraums, ist ebenfalls Bestandteil des Pakets zur aktiven Eingliederung. Darüber hinaus hat die Kommission zur Bekämpfung des Ausschlusses von Finanzdienstleistungen Empfehlungen vorgelegt, damit jedem der Zugang zu einem Bankkonto mit grundlegenden Funktionen gewährt wird. Ferner bieten die Antidiskriminierungsvorschriften der EU gesellschaftlichen Gruppen Schutz, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Menschen mit Behinderungen profitieren zum Beispiel von den Bestimmungen in der Richtlinie über die Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf. Die Richtlinie zur Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse verbietet des Weiteren Diskriminierung aus Gründen der Rasse oder ethnischen Herkunft sowohl am Arbeitsplatz als auch in anderen Lebensbereichen, wie etwa beim Zugang zu Waren und Dienstleistungen.

Quelle: http://ec.europa.eu

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